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Bernhard Leitner

Gespräch von Wolfgang Pehnt und Bernhard Leitner
(Aus: Documenta Dokumente, Köln 1984)

P: Eine Ihrer beiden Installationen auf der Kasseler documenta 1982 war eine käfigartige Struktur aus Latten, ein würfelartiger Raum. In der Mitte stand eine Liege, auf der man sich ausstreckte, und dann wechselten die Töne von den Schallquellen, so daß das Gefühl eines Bogens, der sich über einem wölbt, entsteht.
L: Im "Ton-Würfel" sind verschiedene Bogen-Formen programmiert - nur in einer Richtung ablaufende Wölbungslinien, einfache Bögen, schnelles Wölben, langsame Gewölbe, aufsteigende Schalenformen, abfallende Schalenformen. Räumlich interessant sind auch das gegenläufigen Doppelgewölbe, wo Töne links und rechts gleichzeitig aufsteigen, sich hoch über der Person im Scheitelpunkt kreuzen, sich durchdringen und auf der anderen Seite wieder zum Boden abfallen.
P: Sie haben von bestimmten Programmen gesprochen. Wie werden die gesteuert? Gibt es verschiedene Programme, die in einer Raum-Installation sich abwickeln?
L: Ich verwende ein speziell nach meinen Angaben gebautes Schaltgerät, mit dem eine Vielzahl von Monoverstärkern angesteuert werden können. Damit gestalte ich im "Ton-Würfel", durch exaktes Festlegen des Intensitäts- und Geschwindigkeitsverlaufes, den Ablauf einer Ton- Bewegung zwischen den acht im Raum und unter der Liege-Plattform verteilten Lautsprechern. Dieses Gerät gibt mir die Möglichkeit, raumplastisch zu arbeiten. Ich kann Linien im Raum ziehen,fast zeichnen, die eine bestimmte Charakteristik, eine Körper-Raum-Funktion haben. Zum Beispiel: eine im Raum aufsteigende Diminuendo-Linie soll den Körper fast abheben, während eine im Raum abfallende Crescendo-Linie, die sich von oben nach unten, durch den Körper hindurch, bewegt, eine fast stauchende Raumwirkung hat.  [»]