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Bernhard Leitner
[«]  Eingepaßt in die kleinen Räume sind die minimalen Funktions-Skulpturen nur so viel Form wie nötig ist, den Betrachter zum Benutzer zu machen: Sich darauf zu stellen, sich hin zulegen. Die Form folgt der Funktion, die Ton-Abspiel-Geräte stehen sichtbar im selben Raum, etwas abseits, damit der Betrachter weiß, daß die Skulpturen etwas mit Geräuschen zu tun haben könnten. Und doch ist das nicht ein akustischer Ton, den ich höre, sondern ein körperlicher, den ich spüre - eine völlig neue Erfahrung. Vielleicht vergleichbar mit der Stille in John Cage´Stück 4´33" (1952), da hörten wir zum ersten Mal Geräusche als mögliche Musik. Hier spüre ich Klang körperlich aufsteigen, durch meinen Körper hindurchgehen und abebben. "Es ist eine ganz wichtige Sache, daß man den Körper als akustisches Instrument versteht" - so lautet die Titelzeile des Gespräches mit dem Architekturkenner Wolfgang Pehnt, das 1984 veröffentlicht wurde. Ich freue mich, die Raum-Wiege als eines der herausragende Werke für die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin erwerben zu können, denn es verbindet mehrere Schichten der Kunst des ausgehenden Jahrhunderts auf exemplarische Weise. Durch neue technische Möglichkeiten gestalten Künstler Wahrnehmungs-Möglichkeiten für den einzelnen Betrachter, der zum Akteur für seine eigenen Empfinden wird.

3. Fast zufällige Begegnung im Öffentlichen Raum: Berlin 1984

Wichtig sind für uns die Momente, auf die man nicht vorbereitet ist. Man ist am Ende der Welt, irgendwo und trifft etwas, das immer schon da war. So ging es mir, daß ich beim Gang durch die Technische Universität in Berlin gar nicht wußte, daß es dort mittlerweile einen "Ton-Raum" von Leitner gab.  [»]