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Bernhard Leitner

Gesprächsnotizen von
Bernhard Leitner und Ulrich Conrads

(DAIDALOS, Nr. 17, Berlin, September 1985)

 
C: Die Reiseberichte des frühen Mittelalters geben Kunde von einem Menschenschlag, der mit übergroßen, schirmartigen Ohren ausgestattet sei. Schade, dass nicht überliefert ist, wie diese Menschen hörten. Es ist anzunehmen, dass sie scharf und weit hören konnten. Ein früher Traum von schneller Nachrichtenübermittlung über weite Strecken? Jeder Fürst, kriegerisch oder nicht, wird sich sehnlichst einen solchen Fern-Hörer in seinen Hofstaat gewünscht haben. Mittlerweile wünschen wir uns selbst oft ganz kleine, unempfindliche Ohren, um den peinigenden akustischen Missverhältnissen in so manchem Neubau zu entgehen, von den Lärmbelästigungen ganz zu schweigen.
 
L: Die moderne Bautechnologie, ebenso auch die Bauökonomie haben von der Notwendigkeit, dass Menschen klang-lebendige

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Räume brauchen, wenig Notiz genommen. Wohlgemerkt, wir reden hier ja nicht von bauphysikalischen und anderen Lärmschutzvorkehrungen. So entstanden jene für unsere Zivilisation typischen Lösungen: Einbetonieren der Bewohner in Betonzellen bei gleichzeitiger Entwicklung einer höchst raffinierten Stereo- oder Quadro-Hifi-Technologie, damit in diesen Räumen irgend etwas zum Klingen kommt. In der gesamten Theorie der modernen Architektur ist nur wenig, so gut wie nichts, über die Beziehung Klang—Raum—Körper ausgesagt. Im Vordergrund stand, wie wir wissen, der Versuch, durch Architektur und Städtebau an der Lösung sozialer Probleme mitzuwirken.
Auch dabei blieb aber letztlich die körperfeindliche Aufklärung die Basis für die Definition des modernen Menschen, trotz Hygiene und Sport, Gesundheit und Fitness. Was für Musik gilt, gilt ebenso für akustische Reize allgemein: Der Klang eines Raumes hat Wirkung auf das vegetative Nervensystem;